Chemiewerk Rüdersdorf

Auf dem riesigen Areal am Kriensee, am Rande Berlins, wurde 1900 von C.O. Wegener begonnen ein Zementwerk zu bauen. Zu Beginn des Krieges 1939 übernahm die Preussag AG (heute TUI) den Betrieb, um synthetisches Bauxit für die kriegswichtige Aluminium-Produktion herzustellen. Über 90% der heute noch zu sehenden Bauten stammt aus den Jahren 1940-1942. Nach dem Kriegsende wurde die Betriebsstätte von der sowjetischen Besatzungsmacht komplett ausgeräumt und demontiert. 1949 wurde von den Sowjets beschlossen in den leerstehenden Hallen Düngemittel zu produzieren. In den noch vorhandenen Drehrohröfen wurde nun Magnesiumphosphat hergestellt. Ab 1972 wurde versucht für die industrielle Tierhaltung in der DDR ein Calcium-Natrium-Phosphat herzustellen. Dies gelang nur mäßig, da die Drehrohröfen für die Produktion zu kurz waren. Um die Produktion zu optimieren, wurden zwei 100m Drehrohröfen neben den Einrichtungen zur Abgasreinigung, Vermahlung und zum Versand erbaut. Von dort an gelang die Produktion des Futterphosphats so gut, dass es unter dem Namen RÜKANA europaweit vertrieben wurde.

Ab 1964 wurden sogenannte Sonderarbeitskräfte eingesetzt. Strafgefangene. Benachbarte Betriebe mussten Arbeitskräfte verleihen, sendeten nicht ihre besten Arbeitskräfte los und so wurden ab 1970 sogenannte Vertragsarbeitskräfte aus Algerien, Vietnam und Mosambique eingesetzt, um das aufgetretene Arbeitskräfteproblem zu lösen. Von rund 300 Arbeitskräften waren zum Schluss noch 12 übrig. Mit der Wende meldete die Fabrik Insolvenz an. Es wurde anschließend alles abtransportiert, was Wert hatte und zur Insolvenzmasse gehörte und seitdem verfallen die einzelnen Gebäudebestandteile vor sich hin. Bei dem Abbau des Geländes wurde einer der größten Umweltskandale Brandenburgs aufgedeckt. Aus rund 80 undichten Fässern sickerte Öl in das Erdreich und in Gullys. Ermittler stießen auf ein komplett ausgestattetes Chemielabor mit hochgiftigen Substanzen wie z.B. Salpeter- & Buttersäure.

Durch die enorme Gelände- und Hallengröße dient das Gelände seit der Stillegung ab und zu als Filmkulisse. Neben der Mondlandung im Rammsteinvideo zu dem Song „Amerika“ wurde hier auch die Filme „Enemy at the Gates“ und „Monuments Men“ gedreht. Sogar Teile aus der Filmreihe „Die Tribute von Panem“ und aus der Serie „Homeland“ stammen von dem Gelände der alten Chemiefabrik.

Schon wenn man von der Hauptstraße auf den Sandweg zum Tor der alten Chemiefabrik abbiegt, erscheinen die hohen Schornsteine hinter den Baumgipfeln und man kann aus gigantische Ausmaß des Geländes erahnen. Vor dem Tor stehen bei unserer Ankunft schon ein paar Autos und wir erkennen eine Gruppe Jugendliche in der Ferne. Gut besucht. Das Tor ist allerdings verschlossen und mit Stacheldraht und einem Bauzaun zur Verstärkung versehen. Da wir weder über Stacheldraht klettern, noch durch den Kanal schwimmen wollen, probieren wir es etwas weiter der Zaun entlang weiter. An einer kleinen Bahnbrücke haben wir Glück und können das Ufer wechseln (jaja, haha.). Hinter einem Güterzug finden wir dann auch ein Loch im Zaun und gelangen über moosbedeckte alte Schienenvorrichtungen auf das Gelände. Yay! Vorbei an riesigen mit Rohren verbundenen Tanks, gelangen wir auf einen Platz zwischen den riesigen Fabrikgebäuden. An manchen Gebäuden führen Treppen hinauf und man kann das Gelände gut überblicken. Wir haben uns so einen Plan über die vorhandenen Gebäude gemacht und sind systematisch alles abgelaufen. Den besten Blick bietet aber mit Abstand das Dach der großen Halle.

In den Hallen ist leider neben schlecht gesprühten Graffitys nichts mehr zu finden, außer ein paar Tanks und der getroffenen Sicherheitsmaßnahmen der Filmindustrie. Viele Stellen an Treppenhäusern und Hallen wurden offensichtlich mit Balken und Planen verstärkt und abgehangen.

Nach etwa einem halben Tag hatten wir alles gesehen, was uns interessiert hat und haben uns zufrieden auf den Rückweg gemacht. Es ist definitiv einen Ausflug wert, da man sehr leicht auf das Gelände kommt und wirklich viel Zeit damit verbringen kann, sich die Fabrikhallen, Schornsteine und anderen Gebäude anzusehen. Wer allerdings LPs mag, die wirken als wären sie gerade erst verlassen worden, ist hier an der falschen Adresse. Von der alten Chemiefabrik sind eigentlich nur die Rohbauten übrig, die aber trotzdem beeindrucken 🙂

Flugplatz Oranienburg

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Der Flugplatz Oranienburg befindet sich nördlich von Berlin in (wie der Name verraten lässt) Oranienburg. Erbaut wurde er 1936 bis 1939. Bis 1945 wurde der Flugplatz als Werksflughafen von den Heinkel-Werken Oranienburg und von der Luftwaffe der Wehrmacht für Bomber, Transportflieger und später auch Hubschrauber genutzt. Einheiten wie das Nachtjagderprobungskommando sowie das Schlacht- und Kampfgeschwader starteten und landeten hier. Seitdem der Fluplatz 1945 bei einem Luftangriff von US-Bombern vollständig zerstört wurde, wurden die noch intakten Anlagen von der sowjetischen Besetzungsmacht demontiert. Die Start- und Landebahn des Werksflugplatzes wurde instand gesetzt und bis 1994 von den sowjetischen Luftstreitkräften als Militärflugplatz genutzt. Mittlerweile werden Teile der Start- und Landebahn als Trasse für die Westumfahrung von Oranienburg genutzt und auf einer Fläche von 17 Hektar stehen nun über 33000 Solarmodule, die bis zu 7,8 Megawatt Strom erzeugen.

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Neben der großen Flugzeughalle befinden sich auf dem riesigen 430 Hektar großen Gelände auch Flugzeughangars, unterirdische Anlagen wie Bunker, Verwaltungsgebäude und Kasernengebäude. Außerdem hatte der Flugplatz einen Gleisanschluss aus Richtung Nordwesten.IMG_6568Während wir über das Gelände laufen und uns umgucken entdecken wir neben vielen anderen Besuchern auch ein Fotoshooting mit einer sehr spärlich bekleideten „Dame“. Find ich irgendwie lustig 😀IMG_6543

 

Die Flugzeughalle ist wirklich riesig und hat an den Stirnseiten, auf zwei Stockwerke verteilt, Verwaltungsräumlichkeiten. Viele Wände und Decken sind eingestürzt und in manchen Räumen erkennt man die Überreste von Bränden. Etwas entfernt entdecken wir ein größeres flaches Gebäude, das wir uns genauer ansehen wollen. Hier scheinen Tagungs- oder Strategieräume gewesen zu sein. Es liegen sogar noch einige Plakate mit Anleitungen auf russisch herum – auch die Wände sind teilweise mit russischsprachigen Zeitungen tapeziert. Von hier aus sind es nur noch ein paar kleinere Wege bis zu den Bunkeranlagen. IMG_6530Leider stehen diese so weit unter Wasser, dass es unmöglich ist hineinzugehen.. Auch ein weiteres unterirdisch angelegtes Gebäude ein paar Meter weiter ist vollgelaufen und Brutstätte von abermillionen Mücken. Auf den Feldern liegen Stahlbetonklötze, Überreste von Mauern und Decken. Außerdem findet man viele kleine eingezäunte Areale, aus denen Wasserproben gezogen werden, was darauf schließen lässt, dass der Boden entweder versäucht ist und kontrolliert werden muss. Vereinzelt laufen wir an prismenartigen, hohlen Stahlbetonmauern vorbei, die mich an Schießübungsplätze erinnern. Das letzte Gebäude auf unserem Weg ist ein vom Militär gekennzeichneter Bau, in dem eine große Halle zu finden ist, in der außer Reifen und Pfützen nichts zu finden ist. IMG_7420
Wasser und Sümpfe, Pfützen und Matsch sind auf dem gesamten Gelände zahlreich vertreten und treiben die Mückenanzahl extrem in die Höhe.. Dass wir ohne Anti-Mückenspray hier unseren Tag verbracht haben, war ziemlich dumm. Als wir zuhause ankamen, hatten wir so viele Stiche, dass ich sie nicht zählen konnte….


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Löwen-Adler Kaserne (2017)

In den meisten Fällen mache ich das, was ich mir vornehme. Also war ich kürzlich nochmal in der Löwen-Adler Kaserne in Elstal. Falls ihr den ersten Eintrag dazu gelesen habt, wisst ihr, dass ich gehört habe, dass Karls-Erdbeerhof das Kasernengelände gekauft hat und es abreißen will, um dort eine Ferienanlage zu errichten. Davon war allerdings weit und breit nichts zu bemerken. Die einzigen Veränderungen seit meinem letzten Besuch waren der fehlende Löwe und fortschreitende Vegetation. So viel sei vorab gesagt.

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Das Tor an der Einfahrt zum Gelände war verschlossen und es waren frische Reifenabdrücke zu erkennen, weshalb wir uns zwei weiteren Besuchern angeschlossen haben, um nicht die einzigen zu sein, die im Fall der Fälle erwischt werden. Durch die hohen Wiesen und Büsche, konnte ich zuerst kaum etwas wiedererkennen – aber nach ein paar Minuten hab ich meinen (wenn auch schlecht ausgeprägten) IMG_6254Orientierungssinn wiedergefunden. Während meines letzten Besuchs hat sich das Parkett in manchen Räumen leicht verzogen und war stellenweise feucht. Heute wölbt sich der Boden teilweise einen halben Meter nach oben, ist aufgequollen oder steht im Wasser. Trotzdem kann man alle Stockwerke der Hauptgebäude noch problemlos begehen, wir waren sogar noch auf dem Dach und konnten die fantastische Aussicht genießen. Bei gutem Wetter sieht man von hier die gesamte Berliner Skyline, vertreten durch den Fernsehturm, Grunewaldturm, die Abhöranlage auf dem Teufelsberg und sogar die hässlichen bunten Hochhäuser in Staaken.
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Eine weitere grandiose Aussicht hatten wir einige Minuten später, als unsere unfreiwilligen Begleiter eine Drohne ausgepackt haben, um Bilder des Geländes aus der IMG_6437Luft aufzunehmen (an dieser Stelle liebe Grüße an Michi und Tanja aus Hamburg!). Die Teile sind wahnsinnig cool – ich brauche unbedingt auch eine! Wir standen lange unten auf dem Vorplatz des Hauptgebäudes und haben uns Bilder aus der Luft angesehen. So konnten wir Gebäude finden, die wir noch nicht kannten und im Anschluss erkundet haben.

Viel mehr Neues kann ich euch nicht berichten. 🙂
Ein Bildervergleich lohnt sich!
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Löwen-Adler-Kaserne (2014)

Unweit von Berlin befindet sich die verlassene Löwen-Adler-Kaserne. Der größte Teil der Kaserne wurde zwischen 1935 und 1936 erbaut, fertiggestellt wurde sie 1940. Ihren Namen hat die Kaserne von steinernen Tierskulpturen, die die Eingänge der beiden Kasernenteile bewachen.

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Die Löwenkaserne diente dem Infanterie-Lehrregiment und die Adlerkaserne beherbergte bespannte Einheiten. Ihre Ursprünge hat die Kasernenanlage im Beginn des Ersten Weltkriegs. Aus einem provisorischen Kriegsgefangenenlager wurde so 1915 ein festes Lager. Bis Oktober 1918 wurden dort mehr als 30.000 Gefangene gehalten. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Gelände von der Reichswehr und nationalistischen Sportverbänden genutzt. Weiter ausgebaut wurden die Kasernen und der dann während des Zweiten Weltkriegs.

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Das Gelände, das sich unmittelbar an der B5 am westlichen Rand Berlins befindet, ist sehr leicht zugänglich. Neben dem Haupteingang, der natürlich mit einem Bauzaun versperrt ist, befindet sich ein großes Loch in ebendiesem. Das anspruchsvollste dabei ist, sich nicht die Klamotten zu zerreißen, wenn man hindurchklettert. Genau das haben wir getan und standen inmitten bewachsener Wege und zerfallender Gebäude. Sehr beeindruckend. Auch wenn es anfänglich nicht den Anschein macht; das Gelände ist riesengroß und sehr weitläufig. Neben dem Hauptgebäude finden wir Garagen, kleinere Häuser, Lager, Keller und einen Sportplatz. Das erste Gebäude, das wir betreten ist ein kleines Nebengebäude mit einem Keller. Außer alten Fußabdrücken und Staub finden wir hier nichts.. IMG_4012xWeiter im Hauptgebäude sieht das schon anders aus. Die Parkettböden sind in vielen Räumen noch vollständig erhalten und erinnern an den alten Charme des Gebäudes. Außer einem Kamin entdecken wir auch erhaltene Säulen und Vertäfelungen. Wir gehen durch unzählige Räume und ellenlange Flure. IMG_4009xDas Gebäude erstreckt sich über mehrere Etagen, die alle noch begehbar sind. Durch ein imposantes Treppenhaus gelangen wir sogar auf das Dach. Der Ausblick ist unbeschreiblich.

IMG_4026xAn vielen Stellen hat die Zeit ihre Spuren hinterlassen. Es hängen Decken herab, Mauern sind eingestürzt und in vielen Gebäuden wachsen sogar Bäume. Natürlich ist auch ein Platz wie dieser nicht vor Schwachköpfen sicher, die ihre Selbstbestätigung in dem Besprühen von Wänden und Einschlagen von Fenstern suchen.. Nichtsdestotrotz schaffe ich es mir vorzustellen wie ein paar Offiziere in ihren Uniformen vor dem Kamin sitzen und Scotch trinken.

Allein für das Hauptgebäude benötigen wir mehr als zwei Stunden, sodass uns klar wird, dass wir es niemals schaffen das gesamte Gelände an einem Nachmittag zu erkunden. In weiteren Gebäuden entdecken wir ehemalige Versammlungs- oder Tanzsäle, Werkstätten und geflieste Keller. Bild3xAn manchen Wänden sind russische Worte oder gar ganze Sätze eingeritzt (An dieser Stelle: Falls das jemand von euch übersetzen kann, freue ich mich darüber in den Kommentaren).

Auf dem hinteren Teil des Geländes steht ein verschlossenes Gebäude, in das wir nur über einen Baum gelangen könnten. Nee danke! Außerdem steht eine Luke im Boden offen, die verdächtig nach dem Eingang in einen Bunker aussieht. Nach einer kurzen Diskussion entscheiden wir uns dafür ein anderes mal mit Taschenlampen wiederzukommen und uns das genauer anzusehen. Ich muss sagen, dafür dass die Kaserne mitten im Krieg erbaut wurde, ist sie erstaunlich detailreich und prunkvoll. Verzierte Bögen und Mauern, Säulen und Fassaden schmücken das Areal. IMG_4031x

Ich bin absolut beeindruckt. Die Kaserne macht den Eindruck als wäre sie eine kleine Stadt und man kann sich problemlos vorstellen, dass das Leben dort abgeschottet vom Rest der Welt möglich war. Auf unserer Tour haben wir wirklich viele andere Leute getroffen, die sich ebenfalls das Gelände angesehen und Fotos gemacht haben. Erschreckt euch nicht, wenn ihr nicht alleine seid 🙂

Das alte Kasernengelände erzählt auf jeden Fall eine Geschichte und ist absolut einen Besuch wert, bevor es von Karls Erdbeerscheiß übernommen und abgerissen wird..

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