Flugplatz Oranienburg

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Der Flugplatz Oranienburg befindet sich nördlich von Berlin in (wie der Name verraten lässt) Oranienburg. Erbaut wurde er 1936 bis 1939. Bis 1945 wurde der Flugplatz als Werksflughafen von den Heinkel-Werken Oranienburg und von der Luftwaffe der Wehrmacht für Bomber, Transportflieger und später auch Hubschrauber genutzt. Einheiten wie das Nachtjagderprobungskommando sowie das Schlacht- und Kampfgeschwader starteten und landeten hier. Seitdem der Fluplatz 1945 bei einem Luftangriff von US-Bombern vollständig zerstört wurde, wurden die noch intakten Anlagen von der sowjetischen Besetzungsmacht demontiert. Die Start- und Landebahn des Werksflugplatzes wurde instand gesetzt und bis 1994 von den sowjetischen Luftstreitkräften als Militärflugplatz genutzt. Mittlerweile werden Teile der Start- und Landebahn als Trasse für die Westumfahrung von Oranienburg genutzt und auf einer Fläche von 17 Hektar stehen nun über 33000 Solarmodule, die bis zu 7,8 Megawatt Strom erzeugen.

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Neben der großen Flugzeughalle befinden sich auf dem riesigen 430 Hektar großen Gelände auch Flugzeughangars, unterirdische Anlagen wie Bunker, Verwaltungsgebäude und Kasernengebäude. Außerdem hatte der Flugplatz einen Gleisanschluss aus Richtung Nordwesten.IMG_6568Während wir über das Gelände laufen und uns umgucken entdecken wir neben vielen anderen Besuchern auch ein Fotoshooting mit einer sehr spärlich bekleideten „Dame“. Find ich irgendwie lustig 😀IMG_6543

 

Die Flugzeughalle ist wirklich riesig und hat an den Stirnseiten, auf zwei Stockwerke verteilt, Verwaltungsräumlichkeiten. Viele Wände und Decken sind eingestürzt und in manchen Räumen erkennt man die Überreste von Bränden. Etwas entfernt entdecken wir ein größeres flaches Gebäude, das wir uns genauer ansehen wollen. Hier scheinen Tagungs- oder Strategieräume gewesen zu sein. Es liegen sogar noch einige Plakate mit Anleitungen auf russisch herum – auch die Wände sind teilweise mit russischsprachigen Zeitungen tapeziert. Von hier aus sind es nur noch ein paar kleinere Wege bis zu den Bunkeranlagen. IMG_6530Leider stehen diese so weit unter Wasser, dass es unmöglich ist hineinzugehen.. Auch ein weiteres unterirdisch angelegtes Gebäude ein paar Meter weiter ist vollgelaufen und Brutstätte von abermillionen Mücken. Auf den Feldern liegen Stahlbetonklötze, Überreste von Mauern und Decken. Außerdem findet man viele kleine eingezäunte Areale, aus denen Wasserproben gezogen werden, was darauf schließen lässt, dass der Boden entweder versäucht ist und kontrolliert werden muss. Vereinzelt laufen wir an prismenartigen, hohlen Stahlbetonmauern vorbei, die mich an Schießübungsplätze erinnern. Das letzte Gebäude auf unserem Weg ist ein vom Militär gekennzeichneter Bau, in dem eine große Halle zu finden ist, in der außer Reifen und Pfützen nichts zu finden ist. IMG_7420
Wasser und Sümpfe, Pfützen und Matsch sind auf dem gesamten Gelände zahlreich vertreten und treiben die Mückenanzahl extrem in die Höhe.. Dass wir ohne Anti-Mückenspray hier unseren Tag verbracht haben, war ziemlich dumm. Als wir zuhause ankamen, hatten wir so viele Stiche, dass ich sie nicht zählen konnte….


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Berliner Luft- und Badeparadies (Blub)

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Willkommen im Blub! Obwohl hier schon seit Jahren niemand mehr schwimmen geht, steht doch vieles unter Wasser… Von 1985 bis 2005 empfing das Spaßbad unzählige Badegäste. Geschlossen wurde der Wasserbereich nachdem hygienische Missstände auffielen und sogar Ratten gesichtet wurden. Angeblich wurden bei spontanen Kontrollen besorgniserregend hohe Keimzahlen im Wasser nachgewiesen. Daraufhin sanken die Besucherzahlen ab und die Beschwerden stiegen an. Zahlreiche Maßnahmen konnten aus finanziellen Gründen nicht umgesetzt werden und so blieb nur die Saunalandschaft geöffnet, die allerdings 2012 ebenfalls geschlossen wurde. online (11)

Mittlerweile bringen auch die besten Gestältungs- und Investitionspläne nichts mehr. Von dem ehemaligen Badeparadies ist rein gar nichts mehr übrig. Keine Wand steht mehr unbeschädigt, kein Fenster ist mehr intakt. Alles ist besprayt, zerspilttert, zerschlagen, zerbrochen oder niedergebrannt. Ich frage mich, wer Spaß daran hat, solche Orte zu zerstören. Und vorallem: W A R U M ?

online (10)Ich war als Kind mal mit der Schulklasse im Blub und habe heute kaum etwas wiedererkannt. Wirklich traurig. Es war trotzdem sehr beeindruckend alles zu erkunden. Trotz (oder gerade anhand) des Mülls, konnten wir gut erkennen welche Bereiche des Bads wir betreten haben. Sogar alte Pläne, Grundrisse und Akten lagen noch im Bürobereich herum. In der Küche findet man noch immer Speisekarten und Servietten, Teller und Besteck. Im Außenbereich stehen Liegestühle und im Lager liegen Chlorkanister.


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Auf das Gelände kommt man ganz easy peasy über den Parkplatz durch den Eingang. Das Dach des Eingangsbereiches ist zur Hälfte eingestürzt und die verbrannten und morschen Holzbalken liegen über das gesamte Gelände verteilt. Die Düsen der Whirlpools und ganze Whirlpoolwannen wurden herausgerissen, die Rutsche abmontiert und geklaut. In den Umkleiden und Saunen ist jede der schönen im Muster angeklebten Fliesen beschmiert oder zerschlagen. Den Kassenbereich konnte ich nicht mehr finden/identifizieren.

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Den besten Ausblick über das ehemalige Vergnügunsbad hat man vom Turm der Wasserrutsche aus. Ich weiß nicht, wie es in Zukunft sein wird, aber heute konnte man online (3)sicher und problemlos die Treppe hochgehen. Von oben konnten wir auch noch Teile der Wasserrutsche in den Büschen entdecken und eine kleine zerfallene Hütte am Rand des Geländes, zu dem wir allerdings danke der dichten Bewucherung nicht gelangen konnten. Auffällig ist, dass das Blub anscheinend unter Jugendlichen sehr beliebt ist. Überall sitzen kleine Menschengruppen, sie laufen über die Dächer, hören Musik, klettern in jede Ecke und verbringen dort ihren Tag. Das einzige, was uns nicht über den Weg gelaufen ist, war eine Ratte 😉


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Schwimmhalle Pankow

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Die Schwimmhalle in Pankow wurde 1971 als Ergänzung Freibads Pankow gebaut, damit Badegäste auch im Winter in Empfang genommen werden konnten. Neben einem 25m Schwimmbecken umfasste die Halle auch ein 12x8m großes Nichtschwimmerbecken und eine Sauna im Untergeschoss. Ein paar Jahre nachdem die Schwimmhalle von den Berliner Bäder Betrieben übernommen wurde, wurde sie (wie sollte es auch anders sein) geschlossen. Seitdem hat weder das Gebäude Pflege genossen, noch eines der Becken Wasser gesehen.


In die verlassene Schwimmhalle zu kommen, ist easy. Auto parken, Kamera auspacken, Straßenseite wechseln, durch die Tür gehen. Durch einen winzigen Vorraum gelangt man direkt in die Schwimmhalle und steht vor dem großen, leeren Becken. Obwohl alles total abgefuckt ist, beeindruckt es mich.awIMG_3943

 Die Fliesen der Wände und Becken sind hinter Schichten von schlechten Graffities versteckt, Fenster und Scheiben sind eingeschlagen, der Umkleidekabinen sind abgebaut. Im großen Becken hat jemand sein Fahrrad vergessen. Fragt mich nicht… Während des Fotografierens höre ich immer wieder dumpfe Geräusche von unten. Einbildung, denke ich mir. Ich gehe weiter zum Nichtschwimmerbecken, wieder ein dumpfes Geräusch. Habe ich eben jemanden Schreien gehört? Etwa zehn Minuten stehe ich regungslos da und lausche in die Stille. Nichts. Naja, wohl nur ein Streich meines genialen Geistes.. Vom vorderen awIMG_3949Teil des Badebereichs gelangt man in einen etwas größeren gefliesten Raum, in dem eine geflieste Erhebung steht. Muss wohl die Kasse gewesen sein. Von hier geht es weiter zu den Damenumkleiden und WCs. Wände aus zersplitterten Glassteinen trennen die kleinen Umkleideräume von dem Kassenbereich. Wieder ein Geräusch. Diesmal näher dran. Der Keller? Wenn man die Damenumkleiden durchquert, kommt man außerdem durch einen weiteren ähnlich aussehenden Bereich, der als Herrenumkleide gedient haben muss. awIMG_3945Dahinter folgt eine breite Treppe, die zur Sauna im Keller führen muss. Auf der Treppe liegen eine Menge Sperrmüll und Glasscherben. Keine Tür. Es ist dunkel, sehr dunkel. Ich überlege kurz, ob ich cool genug bin da runter zu gehen. Ich habe mich von Anfang an auf die Sauna gefreut. Ganz entschlossen ändere ich meine Kameraeinstellungen und packe mein Stativ ein – ich geh da runter!


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Gepuscht von Adrenalin und einem ziemlich ungesunden Selbstbewusstsein schaffe ich exakt zwei Stufen bevor ein Schrei von unten ertönt. Genau so schnell wie ich mich entschlossen habe hinabzusteigen, habe ich die Beine in der Hand und hetze zum Ausgang. Der Schrei kam aus unmittelbarer Nähe. Ein Männerschrei. Jetzt höre ich auch wieder dumpfe Geräusche, aber diesmal öfter hintereinander, lauter. Kommt es näher? Mir reichts, ich will hier weg! awIMG_3964An den Kabinen vorbei, durch den Kassenbereich, am großen Becken vorbei und durch die Tür. Ich hab das Gefühl mir sitzt etwas im Nacken, aber so oft ich mich auch umdrehe, ich sehe nichts und niemanden. Obwohl es draußen deutlich heller ist und mehrere Fußgänger unterwegs sind, will ich so schnell ich kann weg von der anscheinend nicht sehr verlassenen Schwimmhalle. Erst auf der Autobahn verlässt mich endlich das Verfolgungsgefühl und sogar jetzt beim Schreiben fühle ich meinen Puls wieder rasen. Wer oder was auch immer da unten war, hat einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.

Das gute daran? Ich habe den Entschluss gefasst, nicht mehr alleine auf Entdeckungstour zu gehen.

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Rangierbahnhof Pankow-Heinersdorf

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Jedes mal wenn ich eine Freundin in Pankow besuche, fahre ich auf der Autobahn an einer gigantischen Kuppel mit einer durchgehenden Fensterreihe vorbei. Wenn die Sonne scheint, spiegeln die Fenster das Licht und man erkennt die Spuren, die die Zeit hinterlassen hat. Schwarze Löcher zeichnen die Stellen, an denen die Fenster zersplittert und durchbrochen sind. Wiederholt nehme ich mir vor, auf dem Rückweg auszusteigen und sie mir anzugucken. Ich frage mich wozu diese Kuppel gebaut wurde und was sie für eine Funktion hatte. Google ist mein Freund und Helfer. awIMG_3868Ich erfahre, dass die Kuppel zu einem vierundzwanziggleisigen Rundlokschuppen gehört, der widerum zum ehe- maligen Rangierbahnhof Pankow-Heinersdorf gehört. Spannend. Ich lese weiter und finde heraus, dass der Bahnhof 1990 nach beinahe hundert Jahren Betrieb stillgelegt wurde und seitdem verfällt.

Auf dem Weg erkenne ich von der Autobahn aus, dass das Bahnhofsgelände deutlich größer ist, als ich mir vorgestellt habe. Endlich angekommen, sehe ich das Zauntor, das das Gelände umgibt weit offen stehen. Mir kommt ein Mann entgegen. Anscheinend bin ich nicht die einzige hier.. Auch wenn ich das eigentlich nicht leiden kann (irgendjemand steht immer auf meinen Fotos rum..), beruhigt es mich. Durch das Tor führt ein Weg direkt zu der Kuppel. Dort beginnt also meine heutige Tour.

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awIMG_3820Wer durch die riesige Eingangstür tritt, lässt den Lärm der Autobahn vorerst hinter sich. Trotz der vielen Fenster, ist es dunkler als ich erwartet habe und eine erste unerwartete Enttäuschung überkommt mich. Von dem Innenleben der ursprünglichen Halle, dem Drehlokschuppen, ist kaum noch etwas zu erkennen. Die Wände sind übersäht mit schlechten Graffities und Schmiererein. Kabel sind aus den Wänden gerissen und Türen eingetreten. Wo man nur hinsieht liegt Müll. Die einzigen Schäden, die auf Wind und Wetter zurückzuführen sind, finde ich am Dach. Zwischen manchen Gleisen wachsen kleine Gräser und Moos. Die Strahlen der Sonne, die durch die Kuppelfenster dringen, dämpfen meine Enttäuschung. So wirkt die Halle nicht ganz so trostlos, nicht so sehr verschandelt und weniger missachtet.


IMG_3822{An dieser Stelle möchte ich meinen Ärger über die bodenlos dummen Menschen verkünden, die all die alten und schönen Gebäude, die so viel Geschichte in sich tragen, absichtlich zerstören und beschmieren. Fickt euch alle!}


Wenn man in den hinteren Teil der Anlage kommen will, muss man die Halle durch eins der kaputten Fenster verlassen. Von hier führt ein Weg vorbei an dreckigen und heruntergekommenen Bauten, die aussehen als stammten sie aus den Dreißigern. Ab und an führt eine Treppe zu einer höhergelegenen Tür, keine davon lässt sich öffnen. Zugang bekommt man auch hier lediglich durch die Fenster. In einem flachen Haus finde ich ein völlig abgebranntes und bemaltes Auto und frage mich wie es dort wohl hingekommen ist. awIMG_3864

Im hinteren Teil des Areals ist eine Gruppe Teenagermädels mit Digicams unterwegs, die vor den beschmierten Außenwänden der Gebäude posieren. Auch im Inneren sind eine Menge Leute unterwegs. Zu meiner Zufriedenheit lassen sich die Türen in diesem Teil des Bahnhofsgeländes allesamt öffnen, sodass ich hier und da einen Blick hineinwerfen kann. awIMG_3921Bis auf einige schlafende Obdachlose und einen Raum, der offensichtlich als Gemeinschaftstoilette genutzt wird, finde ich allerdings nur leere Kammern. Aus dem Gebäude kommend überquert man eine weitere Lokdrehscheibe, die unter Wasser steht und gelangt zu einem ehemaligen Verwaltungsgebäude. Alle drei Stockwerke sind über ein Treppenhaus zu erreichen, dessen Tür nicht verriegelt ist. Dunkle lange Korridore mit tristen Tapeten an den Wänden lassen erahnen, wie sich ein Arbeitstag hier angefühlt haben muss. awIMG_3917Auch in diesen Teil der Anlage haben sich allerdings schon zu viele Menschen verirrt. Regale und Schubläden sind geöffnet, ihre Inhalte durch das gesamte Gebäude verteilt. Alte Urlaubsanträge, Lohnabrechnungen und Personalakten. In einem der Büros erkennt man eine offene Feuerstelle. Hier sind ebenfalls beinahe alle Wände beschmiert und die Fenster zerschlagen. Den Charme alter Gebäude sucht man vergeblich. Alle Geheimnisse, die es zu lüften gab, wurden bereits entdeckt. Ich für meinen Teil habe genug gesehen und beschließe, den nicht ganz verlassenen Rangierbahnhof kein zweites mal aufzusuchen.


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Die vergessene Siemensbahn

hier fahren schon lange keine Züge mehr.

Wie der Name schon verraten lässt wurde die S-Bahnstrecke von der Firma Siemens erbaut. Zwischen den Gebäudekomplexen von Siemens fuhr sie ab 1929 vom S-Bhf Wernerwerk über die Station Siemensdamm bis zum S-Bhf Gartenfeld, damit die damals rund 90.ooo Firmenangestellten schneller zur Arbeit kommen. Anbindung an das Netz fand sie am S-Bhf Jungfernheide. Seit dem Reichsbahnerstreik 1980 steht die Linie still.


Gesehen habe ich die alte S-Bahnbrücke schon oft, wirklich Aufmerksamkeit geschenkt habe ich ihr nie. Weil ich euch neuen Input bieten will, schnappe ich mir meiner Kamera und fahr los. Ich dachte ich parke einfach am Siemensdamm, laufe die Brücke hoch und stehe mitten auf dem alten Bahnhof. Fehlanzeige.

An der Station Wernerwerk angekommen erkenne ich, dass ich mit meiner easy-entrance-Vorstellung deutlich daneben lag. Der Bahnhof ist umzäunt, abgesperrt, verriegelt. Ich laufe einmal herum, komme zwar unter den Bahnhof, aber nicht hinauf. Verärgert wechsle ich die Straßenseite und gehe die Brücke entlang. IMG_3700--Ein paar Minuten Fußweg später führt die Brücke auf eine Art Erderhebung und ich kann auf die Gleise klettern. Oben angekommen befinde ich mich in einer ziemlich sichtbaren Position. Die Gleise entlang, oben über die Brücke, komme ich nicht ohne gesehen zu werden. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als den Gleisen in die andere Richtung zu folgen. Die nächste Station „Siemensdamm“ ist laut google 1,7 km entfernt – ich bin begeistert.. Mittlerweile bin ich vom Regen durchnässt, genau wie die Bohlen unter den Schienen. Ich glaube ich brauche nicht erwähnen wie spaßig es ist, gute anderthalb Kilometer im Regen auf glitschigen, bewachsenen Schienen zu laufen während man versucht ungesehen zu bleiben und trotzdem von Rentnern mit verurteilenden Blicken bestraft wird..

IMG_3734--Ein paar mal kreuzt die Bahnstrecke Straßen. Ich ducke mich und schlittere halbwegs ungesehen, hinter dem Geländer der Brücke, die Gleise entlang zum S-Bhf Siemensdamm.

Kurz bevor ich ankomme lässt der Regen nach. Das gleichmäßige Prasseln wandelt sich in ein unregelmäßiges Platschen und Tropfen. Ich gehe eine kleine Treppe hoch und stehe auf einer Betonplattform. Die verlassene Station. Ich scheine nicht die erste zu sein, die diesen Ort entdeckt hat. Die Wände sind mit Graffiti versehen, Bierflaschen und Müll liegen herum. Auch die Natur breitet sich aus. Auf dem Bahnsteig wachsen bereits Bäume, Sträucher und Rankpflanzen. Die besten Tage hat diese Haltestelle längst hinter sich. Die Fahrkartenautomaten bestehen nur noch aus Blechkisten mit Kabelstummeln, die Bahnhofsuhren fehlen und die Treppen zur Straße sind zugemauert. Das was von den Gleisen noch übrig ist, gleicht einem kleinen Wald. IMG_3736--

Am hinteren Ende des Bahnhofs befindet sich ein weiterer Treppenabstieg zur Straße, in den ich nicht hineingucken kann. Ich höre ein Knistern, ein Klackern, ein Tropfen. Vorsichtig schleiche ich mich herüber und gucke runter – nur eine Plastiktüte. Viel Sehenswertes ist hier oben nicht zu entdecken. Die Zeit scheint stillzustehen. Niemand kümmert sich um die zugewachsenen Gleise, die verrosteten Stahlträger und die kaputten Glühbirnen in den Lampen. Der Bahnhof mit all seinen Aufgaben und Diensten scheint aus den Köpfen der Menschen verschwunden zu sein, längst vergessen.

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Zwischen dem ganzen Graffiti und Müll lassen nur noch die alten Deckenlampen und Schilder erahnen, wie dieser Bahnsteig vor gut 30 Jahren aussah. Damals hingen die großen Uhren noch in ihren Fassungen, Fahrpläne schmückten die gemauerten Wände, sogar ein kleiner Kiosk scheint hier seine Dienste geleistet zu haben.


War jemand von euch schonmal auf einem der anderen beiden Plattformen „Wernerwerk“ oder „Gartenfeld“? Habt ihr dort ähnliche Erfahrungen gemacht?

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Doktor-Georg-Benjamin-Krankenhaus

Doktor-Georg- Benjamin-Krankenhaus, Rückseite
Doktor-Georg- Benjamin-Krankenhaus, Rückseite

Das Doktor-Georg-Benjamin-Krankenhaus war ursprünglich eine Kaserne, die zum Krankenhaus umfunktioniert wurde. Im Mai 1998 geschlossen, steht es nun leer. Immer wieder höre ich von gruseligen Geschichten, Geistern und grausamen Taten, die das leerstehende Krankenhaus betreffen.

Chirurgische AbteilungIch erinnere mich, dass es vor einigen Jahren in meinem Freundes- und Bekanntenkreis ‚in‘ war, als eine Art Mutprobe, nachts in die Gebäude einzudringen und dort herumzulaufen. Viele Male stand ich davor, traute mich nicht hinein. Diejenigen, die herauskamen erzählten immer wieder fesselnde Geschichten. Alte Operationstische, rostige Infusionsständer, leerstehende Betten. Eine Freundin berichtete mir von einem faulenden Pferdekopf auf einem Operationstisch und roten Zeichen an den Wänden, wie man es aus all den Filmen kennt.. An den Wänden sollen Dinge geschrieben stehen wie „Du wirst sterben“, „Dreh um“ und „Ich habe dich gewarnt..“.

Bis vor einer Woche habe ich seitdem nichts mehr über das alte Krankenhaus gehört. Durch einen Zufall wurde mein Interesse wieder geweckt.

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber alte Gebäude und ihre Geschichten ziehen mich an, wie das Licht die Motten. Was würde das Krankenhaus erzählen, wenn es könnte? Was hat es erlebt? Wen hat es beherbergt? Wer hat hier das Licht der Welt erblickt oder hinter sich gelassen? Es wären sicher zahlreiche spannende Geschichten.

Der scheint seine Dienste geleistet zu haben..


Samstag mittag. Mein Freund und ich liegen noch im Bett. Das Wetter ist grau und regnerisch und überhaupt nicht motivierend rauszugehen. Wir klicken uns durch’s Internet und finden auf Facebook einen Beitrag zu verlassenen Orten in Berlin. Das Doktor-Georg-Benjamin-Krankenhaus ist zwar nicht erwähnt, schießt mir aber sofort in den Kopf. Keine 10 Minuten später sitzen meine Kamera und ich mit meinem Freund und einer Freundin im Auto auf dem Weg zu besagtem Krankenhaus. Den Tag hätten wir nicht perfekter wählen können – die Straßen rund um das alte Gebäude sind verlassen. Der Haupteingang ist zum Einsteigen zu gefährlich – von den Balkonen der angrenzenden Wohnhäuser könnte man uns sehen. Links führt uns ein Weg den Krankenhauskomplex entlang. Wir sind alleine und unbeobachtet aber die Mauer, die das Krankenhaus an dieser Stelle umgibt, ist zu hoch. Wir müssen weiter laufen. Einige Minuten später finden wir ein Loch im Zaun. Ein Blick nach links und rechts und schon rennen wir quer über die Krankenhauswiese zu einer Mauer, in eine Nische. Das Krankenhaus-Areal besteht aus einem Hauptgebäude und mehreren großen Nebengebäuden. Das Gelände ist parkähnlich angelegt und wirklich weitläufig. Das Gebäude, an dem wir stehen ist verbarrikadiert. Alle Fenster und Türen im Erdgeschoss sind mit großen Metallplatten verschraubt. Wir wollen nichts kaputt machen und haben keine Leiter dabei, also gehen wir weiter. Um die Ecke ragen Leitungen und große Rohre aus der Erde und führen in ein weiteres Gebäude. Wir klettern durch und nehmen uns das nächste Gebäude vor. Auch hier gibt es keine Chance hereinzukommen ohne etwas zu zerstören. Mittlerweile sind wir so weit vorgedrungen, dass man uns nicht sehen kann, wenn man nicht auch auf dem Gelände steht. Immer wieder hört man Knacklaute, ein lautes Klackern und Stimmen. Es ist sehr stürmisch und die zahlreichen Bäume um uns herum biegen sich beängstigend stark. Ich fühle mich angespannt. Auf dem gesamten Gelände findet man nicht ein einziges intaktes Fensterglas, die Außenwände sind besprüht, es liegen Bierflaschen wohin man auch tritt. Langsam legt sich meine Angst, hier auf mystisches oder übernatürliches zu treffen – aber mir wird klar wir sind hier nicht die ersten und bestimmt nicht allein. Wir gehen weiter. Die Gebäude um uns lassen uns durch ihre Aufschriften nur erahnen, was einst in ihnen vorging – hinein kommen wir nicht. Links von mir lese ich „Chirurgische Abteilung“, rechts „Innere Abteilung“. Come in..Ein Gebäude weiter haben wir Erfolg. Die Tür des zweistöckigen Hauses steht offen. Ich gehe zwei Stufen hoch und stehe im Flur. Hier finden wir einen stillgelegten Fahrstuhlschacht und ein Treppenhaus. Der Rest liegt auf den ersten Blick im Verborgenen. Durch die zugenagelten Fenster scheint kein einziger Lichtstrahl und wir müssen die Taschenlampen einschalten. Die Decken hängen an einigen Stellen sehr tief und fast alle Wände sind triefend nass. Wir beschließen, nur die sicher aussehenden Räume zu begehen und unter die Lupe zu nehmen. Ein dunkler Flur mit weit aufgerissenen Türen erinnert mich an Filme, an die ich in diesem Moment lieber nicht denken möchte. Nichtsdestotrotz gehen wir ihn entlang. Die Räume zu unserer Rechten sehen aus wie alte Waschräume. Die Wände sind deckenhoch gefliest und am Boden befinden sich Ablaufrinnen. Allerdings ist der Boden nicht gefliest und auch die meterlange Glasscheibe in einer Wand lässt mich erkennen, dass ich keineswegs in einem Waschraum stehe. Ich stehe mitten in einem OP. Ich stehe mitten in einem echten Operationsraum. Hier, wo ich stehe, wurden kranke Menschen aufgeschnitten. Mir läuft ein Schauer über den Rücken. Außer ein paar Stühlen ist das untere Stockwerk allerdings leergeräumt. Von leerstehenden Betten, alten Operationstischen und verrosteten Infusionsständern keine Spur. Nicht einmal ein altes Skalpell oder eine Spritze.

Was auf diesen Fluren wohl einst geschah?Ein weiterer Gang im Erdgeschoss steht halb unter Wasser. Wir meiden ihn. Im Obergeschoss ist der Grundriss ähnlich wie unten. Allerdings ist es durch die geöffneten Fenster deutlich heller und einladender. Auch hier liegen nur Glasscheiben und Schutt auf dem Boden. Ich bin enttäuscht. All die Geschichten und Erzählungen, die mich so neugierig gemacht haben, scheinen längst vergangen zu sein. Die Wände sind besprüht. In einem Raum finden wir sogar eine Feuerstelle. In einem weiteren Raum ist das Dach eingefallen und die Natur hat begonnen sich zurückzuholen, was einst ihr gehörte.

Beim Verlassen des Gebäudes fällt mir ein Schild an der Eingangstür auf. „For your safety, when working inside lock the door internally. You cannot be locked in from the outside. CHECK DOOR VIEWER BEFORE LEAVING.“ – Warum? Was läuft hier rum, was uns a) von außen einsperren will und b) so gefährlich ist, dass man sich einschließen soll? Warum soll man durch den Spion gucken, bevor man raus geht? Und warum steht der Text hier, mitten in Berlin, auf Englisch?

hm.Mit dem Text im Hinterkopf kann ich den Rest unserer Entdeckungstour nicht mehr richtig genießen. Erst jetzt fallen mir Sprüche an den Mauern der Gebäude auf, wie „Welcome to hell“ oder „Dreh um!“. Höchstwahrscheinlich die Spur einiger fantasievoller Jugendlicher. Höchstwahrscheinlich.

Alle weiteren Gebäude sind verschlossen. Wir kommen nirgendwo anders hinein. Ich bin einerseits erleichtert, andererseits total enttäuscht. Das Innere der chirurgischen Abteilung hätte ich nur zu gern gesehen. Vielleicht findet man hier noch Überreste aus der Zeit, als das Krankenhaus noch in Betrieb war. Vielleicht hätte ich hier einen verrosteten Infusionsständer, ein leerstehendes Bett, einen alten Operationstisch gefunden. Vielleicht.


Auch wenn ich all die Gerüchte, die über das Krankenhaus kursieren nicht bestätigen kann, hat sich der nicht ganz legale Besuch doch gelohnt. Man fängt eine ganz besondere Stimmung ein und taucht ab in eine andere Zeit. Mit etwas Fantasie erkennt man, wie das Krankenhaus einst genutzt wurde. Wer hier herkommt sollte seine Taschenlampe nicht vergessen und genug Zeit mitbringen. Das Gelände ist wirklich groß und wenn man alles sehen will, braucht man eine Weile. Ich freue mich auf eure Erfahrungsberichte und Fotos!


Die Natur holt sich zurück, was einst ihr gehörte.

Über der Tür: "Welcome to hell"Flur im ErdgeschossOPdie besten Tage hat es eindeutig hinter sich..