VEB Berliner Metallhütten und Halbzeugwerke

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Hi, Hallo und Guten Morgen! Eigentlich wollte ich mir die Locations, die ich mir über den Sommer angeguckt habe einteilen und nach und nach posten.. Aber jetzt kann ich doch nicht abwarten..
IMG_6715Der VEB Berliner Metallhütten- und Halbzeugwerke wurde 1951 aus dem VEB Hüttenwerk, VEB Berliner Halbzeugwerk und VEB Sonderbronze zusammengelegt. Hergestellt wurden unter anderem Reinaluminium, Kupferdrahtbarren und -rohre, Hart- und Weichblei. Die Werke waren verteilt auf mehrere Hallen und Lager auf beiden Seiten der Spree. In seiner Blüte beschäftigte der Betrieb etwa 2300 Arbeiter, die im Dreischichtbetrieb arbeiteten, um die Hoch- und Schmelzöfen möglichst effizient zu nutzen. Durch eben diese Öfen und deren ständig andauernde Nutzung erhielt der Betrieb einen relativ schlechten Ruf, was die Umweltbelastung betraf. Neben den Abgasen der Öfen wurde außerdem verunreinigtes Kühlwasser in die Spree abgelassen.
Zu den Werke gesellte sich einige Jahre später das Kulturhaus „Ernst Schneller“. Dort fanden nun regelmäßig Veranstaltungen wie Konzerte, Feiern oder Verleihungen statt. Außerdem gehörten zu den Werken auch ein eigener Kindergarten und ein Betriebsferienlager, sowie ein Betriebsferienheim im Berliner Umland. Unter dem bedeutungsschwangeren Namen „Schmelztiegel“ wurde sogar eine betriebseigene Zeitung gedruckt. Geschlossen wurden die Werke 1990 nach der deutschen Wiedervereinigung. Seitdem stehen die meisten Gebäude ungenutzt leer und verfallen mehr und mehr.


IMG_6752Auf das Gelände in der Fließstraße können wir ohne Umschweife einfach durch das große offenstehende Tor gelangen. Sofort ist klar; wir sind nicht alleine. Das gesamte Betriebsgelände ist von Jugendlichen und sogar kleinen Kindern bevölkert. Aus allen Ecken dringen Musik und Gelächter. Wir entscheiden uns in der ruhigsten Ecke anzufangen. Das erste, was wir hier entdecken scheint ein altes Wohnhaus zu sein, das den Arbeitern gedient hat. Im Erdgeschoss befinden sich Umkleiden mit Spinten, in denen Teilweise noch Klamotten und Ausrüstungsteile hängen, Toilettenräume und Duschen. Die angrenzenden Wohnetagen beherbergen teilweise noch ganze Einrichtungen bis hin zu Postern von Bands und Stars der 80er. Wir finden typische DDR-Schrankwände, Gasherde, Polstersofas und sogar ein Hochbett. Der Dachboden erinnert mich stark an denen des Hauses, in dem ich aufgewachsen bin. Kaputte Dachschindeln machen den Weg für Vögel frei, die den ungestörten Nistplatz dankend annehmen, alte Zeitschriften und jede Menge Ramsch prägen das Gesamtbild. Tatsächlich ist das Haus mit seinen fünf Stockwerken, bis auf einige wenige Stellen noch ziemlich gut in Schuss.

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Wieder draußen gehen wir ein instabil wirkendes Gebäude entlang Richtung Spree und entdecken weitere offene Türen zu einer großen Halle. Hier tropft es von der Decke und auf dem aufgequollenen Boden haben sich große Pfützen gebildet. Nee danke! Am Ufer der Spree steht, versteckt hinter großen Containern, ein kleines Motorboot auf einem Trailer. Sieht noch ziemlich gut aus, hat sogar noch nagelneue Fender und Geschirr an Board. Wieso das jemand dort abgestellt hat, würde mich ja brennend interessieren..

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Am gegenüberliegenden Ende des Betriebsgeländes befindet sich eine große aus Backstein errichtete zweistöckige Halle. Das Dach ist auf der einen Seite abgebrannt und eingestürzt. Durch die Fenster im Erdgeschoss fällt dank der Mittagssonne ein tolles Licht. Viele Wände sind eingerissen und besprayt. Auf dem Boden liegt Schutt. Was hier einmal produziert oder gelagert wurde, kann ich nicht mehr erkennen. Es führen ein Aufzug und zwei Treppenhäuser ins Obergeschoss. Da der Aufzug heute nicht funktioniert, nutzen wir die Treppe 😉 IMG_6797
Das eingefallene Dach scheint für die Natur eine Einladung zu sein, sich auszubreiten. Aus dem Boden sprießen kleine Bäume und Unkraut.Beim Verlassen fällt uns auf, dass im Ergeschoss in einem extra abgetrennten Teil des Gebäudes eine Art Schaltraum gewesen sein muss. Da hier allerdings der Boden fehlt (!), verzichten wir auf eine nähere Betrachtung.IMG_6785

Das letzte Gebäude, das zugänglich ist, ist das Kulturhaus Ernst Schneller. Hier hängen mit Abstand die meisten Jugendlichen rum. Ich schätze mal ganz vorsichtig, dass sie auch nicht ganz unschuldig am dezenten Gras-Geruch sind, der das Gebäude umgibt. Vom Haupteingang aus gelangen wir in ein großes und geräumiges Treppenhaus, das auffällig schön und filigran gefliest ist. Ein bunter Pfau schmückt, halb übersprayt, die Wand. Am unteren Treppenende scheint einmal die Garderobe des Veranstaltungssaals gewesen zu sein. Noch immer steht der Tresen, der einst Besucher vom Garderobenpersonal getrennt hat. Auf ihm liegen staubige Arbeitspläne, Veranstaltungskalender und Plakate. IMG_6845 Nebenan befinden sich Toilettenräume und ein Büro. Weiter oben gelangt man in den einst prunkvollen Veranstaltungssaal. Stuck und große Leuchter an den Decken, Parkett am Boden und eine große Bühne zierten ihn. Heute hängen zwar noch zwei der drei Leuchter an der Decke, jedoch fehlen die Lampen. Einer der Leuchter wurde zu Boden gerissen und hinterlässt nun ein Loch in der Decke. Auch vom Pakett ist nicht viel übrig geblieben. Lediglich der Stuck schmückt noch immer unverändert die Decke und erinnert an den einstigen Glanz, den der Raum versprüht haben muss.

IMG_6838Der Rest des Gebäudes besteht aus großen Sälen, einer Küche, einem Bürotrakt und weiteren undefinierbaren Räumen. Da das Gebäude ziemlich gut in Schuss ist, kommt man sogar durch ein kleines Treppenhaus bis auf das Dach, von wo aus man eine fantastische Aussicht über die Spree hat. Von einem weiteren Treppenhaus aus, führt eine Leiter durch eine schmale Öffnung in der Decke auf eine Art Speicher, wo noch einige große Herde stehen.

IMG_6879Nach dem Ende der VEB Berliner Metallhütten und Halbzeugwerke wurde das Kulturhaus noch kurze Zeit weiter unter dem Namen Cisch Club geführt. Damals traten hier populäre Bands wie Depesche Mode und Oomph! auf und sorgten für lange Besucherschlangen.
Heute steht hier niemand mehr schlange. Ein paar Eindrücke des heutigen Zustands könnt ihr auf den Bildern gelangen.


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