Schwimmhalle Pankow

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Die Schwimmhalle in Pankow wurde 1971 als Ergänzung Freibads Pankow gebaut, damit Badegäste auch im Winter in Empfang genommen werden konnten. Neben einem 25m Schwimmbecken umfasste die Halle auch ein 12x8m großes Nichtschwimmerbecken und eine Sauna im Untergeschoss. Ein paar Jahre nachdem die Schwimmhalle von den Berliner Bäder Betrieben übernommen wurde, wurde sie (wie sollte es auch anders sein) geschlossen. Seitdem hat weder das Gebäude Pflege genossen, noch eines der Becken Wasser gesehen.


In die verlassene Schwimmhalle zu kommen, ist easy. Auto parken, Kamera auspacken, Straßenseite wechseln, durch die Tür gehen. Durch einen winzigen Vorraum gelangt man direkt in die Schwimmhalle und steht vor dem großen, leeren Becken. Obwohl alles total abgefuckt ist, beeindruckt es mich.awIMG_3943

 Die Fliesen der Wände und Becken sind hinter Schichten von schlechten Graffities versteckt, Fenster und Scheiben sind eingeschlagen, der Umkleidekabinen sind abgebaut. Im großen Becken hat jemand sein Fahrrad vergessen. Fragt mich nicht… Während des Fotografierens höre ich immer wieder dumpfe Geräusche von unten. Einbildung, denke ich mir. Ich gehe weiter zum Nichtschwimmerbecken, wieder ein dumpfes Geräusch. Habe ich eben jemanden Schreien gehört? Etwa zehn Minuten stehe ich regungslos da und lausche in die Stille. Nichts. Naja, wohl nur ein Streich meines genialen Geistes.. Vom vorderen awIMG_3949Teil des Badebereichs gelangt man in einen etwas größeren gefliesten Raum, in dem eine geflieste Erhebung steht. Muss wohl die Kasse gewesen sein. Von hier geht es weiter zu den Damenumkleiden und WCs. Wände aus zersplitterten Glassteinen trennen die kleinen Umkleideräume von dem Kassenbereich. Wieder ein Geräusch. Diesmal näher dran. Der Keller? Wenn man die Damenumkleiden durchquert, kommt man außerdem durch einen weiteren ähnlich aussehenden Bereich, der als Herrenumkleide gedient haben muss. awIMG_3945Dahinter folgt eine breite Treppe, die zur Sauna im Keller führen muss. Auf der Treppe liegen eine Menge Sperrmüll und Glasscherben. Keine Tür. Es ist dunkel, sehr dunkel. Ich überlege kurz, ob ich cool genug bin da runter zu gehen. Ich habe mich von Anfang an auf die Sauna gefreut. Ganz entschlossen ändere ich meine Kameraeinstellungen und packe mein Stativ ein – ich geh da runter!


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Gepuscht von Adrenalin und einem ziemlich ungesunden Selbstbewusstsein schaffe ich exakt zwei Stufen bevor ein Schrei von unten ertönt. Genau so schnell wie ich mich entschlossen habe hinabzusteigen, habe ich die Beine in der Hand und hetze zum Ausgang. Der Schrei kam aus unmittelbarer Nähe. Ein Männerschrei. Jetzt höre ich auch wieder dumpfe Geräusche, aber diesmal öfter hintereinander, lauter. Kommt es näher? Mir reichts, ich will hier weg! awIMG_3964An den Kabinen vorbei, durch den Kassenbereich, am großen Becken vorbei und durch die Tür. Ich hab das Gefühl mir sitzt etwas im Nacken, aber so oft ich mich auch umdrehe, ich sehe nichts und niemanden. Obwohl es draußen deutlich heller ist und mehrere Fußgänger unterwegs sind, will ich so schnell ich kann weg von der anscheinend nicht sehr verlassenen Schwimmhalle. Erst auf der Autobahn verlässt mich endlich das Verfolgungsgefühl und sogar jetzt beim Schreiben fühle ich meinen Puls wieder rasen. Wer oder was auch immer da unten war, hat einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.

Das gute daran? Ich habe den Entschluss gefasst, nicht mehr alleine auf Entdeckungstour zu gehen.

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8 Gedanken zu “Schwimmhalle Pankow

  1. dosenkunst 13. Januar 2016 / 0:06

    Krasser Bericht, den ich sehr gut nachvollziehen kann. Bin auch oft alleine unterwegs und diese Geräusche kenne ich. Komme mir dann immer vor wie in einem schlechten Ego-Shooter, still stehen, lauschen, weitergehen, sich an der Wand im dunkeln aufhalten. Adrenalin pur. Schlecht Erfahrungen habe ich aber noch nicht gemacht (außer Wachschutz), es war immer der Wind, der irgendwelche Bleche oder Fenster bewegt hat, oder der Regen, der auf das Wellblechdach gehämmert hat.
    Aber… es gibt durchaus auch Vandalen, besoffene oder Obdachlose, die in den Gebäuden wandeln oder leben. Aufpassen ist also angesagt.
    Ich wünsche dir nur gute Erfahrungen in der Zukunft.
    Deine Bilder sind toll, bekomme schon wieder Lust auf Entdeckungstour zu gehen…. 🙂

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    • forgottenplacesberlin 13. Januar 2016 / 0:13

      Ja du hast schon recht, meistens ist es nur der Wind, Regen oder irgendetwas anderes erklärbares. Da war sicherlich auch nur ein Obdachloser im Keller, dem es überhaupt nicht gefallen hat, dass ich seinen Mittagsschlaf gestört habe. Zum Glück kam er nicht hoch.. Bin ja froh zu hören, dass es auch anderen so geht und ich nicht einfach nur schrecklich ängstlich bin 😁
      Wo treibst du dich denn normalerweise so rum? Werd gleich mal deine Seite durchstöbern 🙂
      Vielen Dank für dein Feedback!

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      • dosenkunst 13. Januar 2016 / 0:29

        Komme aus dem Rhein-Main-Gebiet, Hessen, rund um Frankfurt am Main. Berlin ist aber für Graffiti und Lost Places fest eingeplant für dieses Jahr.

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      • dosenkunst 3. August 2016 / 13:03

        Hallo nochmal, werde jetzt am Wochenende nach Berlin kommen und für eine Woche unterwegs sein. Sammle gerade Orte fürs fotografieren. Hast du aktuelle Empfehlungen, einige Sachen sind ja über die Jahre verschwunden, werden bewacht usw. Adressen brauche ich nicht unbedingt, also kein Stress.

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      • forgottenplacesberlin 3. August 2016 / 13:15

        Hey, schön dass du dir Berlin anguckst! 🙂
        Ich bin im Moment nicht viel unterwegs, weil die Uni meine Zeit komplett einnimmt.. Aber ich weiß sicher, dass das ehemalige Spaßbad „Blub“ abgebrannt ist und es dort nichts mehr zu sehen gibt. Der Spreewaldpark wird superstreng bewacht, aber wenn du gut klettern und rennen kannst und nichts gegen einen Adrenalinkick hast – ist er trotzdem sehr zu empfehlen! Seit kurzem gibt es legale Führungen auf dem Teufelsberg (alte Abhöranlage) und es wurde ein Baumpfad durch die Anlage des leerstehenden Krankenhauses Beelitz Heilstätten gebaut.
        Versuch es auch auf jeden Fall mal in der alten Brauerei an der Spree (Details gerne privat) und in Spandau gibt es ein altes Postgelände, das leer steht – ich weiß nicht ob sich damit überhaupt schonmal jemand befasst hat.
        Du fotografierst aber sonst eher Graffity oder? Sehr banal, aber wirklich cool: setz dich einfach mal in die Ringbahn und fahr eine Runde. Viele „stilvolle Künstler“ nutzen Gebäude, die man von der Strecke aus sieht, als Leinwand. Wenn du aussagekräftige eventuell sogar politische oder gesellschaftskritische Straßenkunst suchst, empfehle ich dir die Bezirke Friedrichshain, Kreuzberg, Prenzlauerberg, Schöneberg usw. In Charlottenburg oder Wilmersdorf kannst du lange suchen 😉

        Ich wünsche dir sehr viel Spaß und freue mich, wenn du mich an deinen Erfahrungen teilhaben lässt!

        Liebe Grüße,
        Navina

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      • dosenkunst 3. August 2016 / 16:04

        Hallo Navina,
        vielen Dank für den Hinweis mit dem Spassbad, dann brauche ich dort nicht extra vorbei zu schauen. In Sachen Graffiti bin ich schon wegen meines Blogtitels auch unterwegs, da gibt es ja gute Webseiten, um sich zu informieren. Ich war schon öfters in Berlin, deswegen kenne ich vieles, auch die Ringbahn, in Sachen alte Gebäude ist das allerdings meine Premiere.Wegen Brauerei an der Spree und Postgebäude in Spandau forsche ich mal nach, mal sehen was sich ergibt.
        Vielen Dank für deine ausführliche Rückmeldung und Grüß.
        Jörg

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      • dosenkunst 3. August 2016 / 16:08

        Ach ja, ich starte am Samstag in den Beelitzer Heilstätten mit einer Fototour. Ziemlich teuer, aber die Zeiten das ich im Spreepark vor Wachleuten abhaue, sind vorbei. Zumal ich gerade in einem Bericht gelesen habe, das die dort 500 Leute jeden Tag illegal auflesen. 500?
        Lost Places fotografiere ich auch schon lange, gibt es auch viel bei mir im Blog, ist aber nur ein Nebending.

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