Rangierbahnhof Pankow-Heinersdorf

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Jedes mal wenn ich eine Freundin in Pankow besuche, fahre ich auf der Autobahn an einer gigantischen Kuppel mit einer durchgehenden Fensterreihe vorbei. Wenn die Sonne scheint, spiegeln die Fenster das Licht und man erkennt die Spuren, die die Zeit hinterlassen hat. Schwarze Löcher zeichnen die Stellen, an denen die Fenster zersplittert und durchbrochen sind. Wiederholt nehme ich mir vor, auf dem Rückweg auszusteigen und sie mir anzugucken. Ich frage mich wozu diese Kuppel gebaut wurde und was sie für eine Funktion hatte. Google ist mein Freund und Helfer. awIMG_3868Ich erfahre, dass die Kuppel zu einem vierundzwanziggleisigen Rundlokschuppen gehört, der widerum zum ehe- maligen Rangierbahnhof Pankow-Heinersdorf gehört. Spannend. Ich lese weiter und finde heraus, dass der Bahnhof 1990 nach beinahe hundert Jahren Betrieb stillgelegt wurde und seitdem verfällt.

Auf dem Weg erkenne ich von der Autobahn aus, dass das Bahnhofsgelände deutlich größer ist, als ich mir vorgestellt habe. Endlich angekommen, sehe ich das Zauntor, das das Gelände umgibt weit offen stehen. Mir kommt ein Mann entgegen. Anscheinend bin ich nicht die einzige hier.. Auch wenn ich das eigentlich nicht leiden kann (irgendjemand steht immer auf meinen Fotos rum..), beruhigt es mich. Durch das Tor führt ein Weg direkt zu der Kuppel. Dort beginnt also meine heutige Tour.

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awIMG_3820Wer durch die riesige Eingangstür tritt, lässt den Lärm der Autobahn vorerst hinter sich. Trotz der vielen Fenster, ist es dunkler als ich erwartet habe und eine erste unerwartete Enttäuschung überkommt mich. Von dem Innenleben der ursprünglichen Halle, dem Drehlokschuppen, ist kaum noch etwas zu erkennen. Die Wände sind übersäht mit schlechten Graffities und Schmiererein. Kabel sind aus den Wänden gerissen und Türen eingetreten. Wo man nur hinsieht liegt Müll. Die einzigen Schäden, die auf Wind und Wetter zurückzuführen sind, finde ich am Dach. Zwischen manchen Gleisen wachsen kleine Gräser und Moos. Die Strahlen der Sonne, die durch die Kuppelfenster dringen, dämpfen meine Enttäuschung. So wirkt die Halle nicht ganz so trostlos, nicht so sehr verschandelt und weniger missachtet.


IMG_3822{An dieser Stelle möchte ich meinen Ärger über die bodenlos dummen Menschen verkünden, die all die alten und schönen Gebäude, die so viel Geschichte in sich tragen, absichtlich zerstören und beschmieren. Fickt euch alle!}


Wenn man in den hinteren Teil der Anlage kommen will, muss man die Halle durch eins der kaputten Fenster verlassen. Von hier führt ein Weg vorbei an dreckigen und heruntergekommenen Bauten, die aussehen als stammten sie aus den Dreißigern. Ab und an führt eine Treppe zu einer höhergelegenen Tür, keine davon lässt sich öffnen. Zugang bekommt man auch hier lediglich durch die Fenster. In einem flachen Haus finde ich ein völlig abgebranntes und bemaltes Auto und frage mich wie es dort wohl hingekommen ist. awIMG_3864

Im hinteren Teil des Areals ist eine Gruppe Teenagermädels mit Digicams unterwegs, die vor den beschmierten Außenwänden der Gebäude posieren. Auch im Inneren sind eine Menge Leute unterwegs. Zu meiner Zufriedenheit lassen sich die Türen in diesem Teil des Bahnhofsgeländes allesamt öffnen, sodass ich hier und da einen Blick hineinwerfen kann. awIMG_3921Bis auf einige schlafende Obdachlose und einen Raum, der offensichtlich als Gemeinschaftstoilette genutzt wird, finde ich allerdings nur leere Kammern. Aus dem Gebäude kommend überquert man eine weitere Lokdrehscheibe, die unter Wasser steht und gelangt zu einem ehemaligen Verwaltungsgebäude. Alle drei Stockwerke sind über ein Treppenhaus zu erreichen, dessen Tür nicht verriegelt ist. Dunkle lange Korridore mit tristen Tapeten an den Wänden lassen erahnen, wie sich ein Arbeitstag hier angefühlt haben muss. awIMG_3917Auch in diesen Teil der Anlage haben sich allerdings schon zu viele Menschen verirrt. Regale und Schubläden sind geöffnet, ihre Inhalte durch das gesamte Gebäude verteilt. Alte Urlaubsanträge, Lohnabrechnungen und Personalakten. In einem der Büros erkennt man eine offene Feuerstelle. Hier sind ebenfalls beinahe alle Wände beschmiert und die Fenster zerschlagen. Den Charme alter Gebäude sucht man vergeblich. Alle Geheimnisse, die es zu lüften gab, wurden bereits entdeckt. Ich für meinen Teil habe genug gesehen und beschließe, den nicht ganz verlassenen Rangierbahnhof kein zweites mal aufzusuchen.


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